Wirkung von Prävention und Therapie nicht in den Wind schlagen

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Befolgt ein Patient nicht die Verhaltensempfehlungen oder nimmt die verordneten Medikamente nicht ein, zeigt er keine Therapie-Adhärenz. Übersetzt wird das Wort mit dem Einhalten oder Befolgen einer therapeutischen Vorgabe, und zunehmend ersetzt es die noch vor kurzer Zeit als Compliance bezeichnete Therapietreue.
Weltweit leben mehr als 1,1 Milliarden Menschen an Bluthochdruck, so eine kürzlich in „The Lancet“ publizierte Studie. In Deutschland leiden zwischen 20 und 30 Millionen Menschen an einer Hypertonie. Bei dieser gesundheitsbedrohenden Erkrankung ist die Nicht-Adhärenz ein großes Problem, weil die verordnete Medikation oft nicht eingenommen wird, und der Therapieerfolg ausbleibt. Daraus resultieren erhebliche Komplikationen, weil es zur hypertonen Krise kommen kann, die Gefäßverkalkung beschleunigt wird und Herzinfarkt oder Schlaganfall drohend bevorstehen.
Die Welt-Gesundheits-Organisation schätzt, dass nur etwa die Hälfte der Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck die erforderliche Therapietreue aufweist. Es wird davon ausgegangen, dass es an ärztlicher Aufklärung mangelt und viele Patienten die Notwendigkeit der Medikation nicht einsehen. Oft wird von den hochdrucksenkenden Medikamenten nur die erste Verordnung eingenommen, der Blutdruck ist dann gesenkt und die Patienten gehen davon aus, dass damit die Behandlung abgeschlossen ist. Wird aber die Therapie eingestellt, kehrt der Blutdruck zurück zu ungesund erhöhten Werten. Nicht selten stehen auch Befürchtungen zu Nebenwirkungen im Vordergrund ablehnenden Haltung, die regelmäßige Einnahme wird vergessen oder man ist von der Therapie nicht überzeugt.
Die Wahrnehmung fehlt, dass es sich um eine chronische, genetisch bedingte oder durch falschen Lebensstil hervorgerufene Erkrankung handelt, die einer lebenslangen Therapie bedarf, um schwere Folgeschäden zu vermeiden. Es droht ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder auch eine Nierenerkrankung, wenn der Blutdruck unbehandelt bleibt und die Medikamente nicht wirken können, weil sie nicht eingenommen werden.
Jede chronische Erkrankung, und dazu gehören der Diabetes, das Asthma und die COPD sowie viele andere, bedürfen einer lebenslangen Behandlung, um den physiologischen Einschränkungen und der dauerhaften Schädigung entgegen zu wirken.
Die Bedeutung der Adhärenz wird von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie besonders unterstrichen. Bei Bluthochdruck spielt die Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion sehr häufig eine große Rolle, weil damit die Prävention des Hochdrucks realisiert und dessen Konsequenzen vorgebeugt wird.
Ebenso wichtig ist die medikamentöse Behandlung, um einen bestehenden hohen Blutdruck zum Normalwert zurückzuführen, so dass die Druckbelastung von den Gefäßen und Organen genommen wird. Damit können sich diese erholen und ihrer Funktion oft lebenslang nachkommen.
Wird die Therapie-Adhärenz aufgegeben und die verordneten Produkte gegen den Bluthochdruck bleiben in einer Schublade liegen oder landen sogar im Hausmüll, bleibt die Erkrankung unverändert bestehen, verschlimmert sich und die Folgen bedrohen das Leben der Patienten.
Fehlt die Adhärenz werden alle warnenden Worte des Arztes in den Wind geschlagen, und sehenden Auges lassen solche Hypertoniepatienten ihrem gesundheitsschädigendem Schicksal seinen Lauf.

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– Adipositas Stiftung // Veröffentlicht in Forschung